Direkt zum Inhalt der Seite springen

BioBoden | Neuigkeiten Detail

Er­halt ei­nes Lehr- und Vor­zei­ge­be­triebs

Der biodynamische Gärtnerhof Röllingsen in Westfalen war über Generationen im Eigentum der Familie Tillmanns. Nun stand für den Eigentümer die Nachfolgefrage im Raum und damit der Wunsch nach dem dauerhaften Erhalt des Lehr- und Vorzeigebetriebs – hier kam die BioHöfe Stiftung ins Spiel.

Wer würde schon wollen, dass sein Juwel zerschlagen wird? Das Schöne, das Kostbare zusammenhalten und bewahren – darum ging es auch Maria Fraune-Tillmanns und Burkhard Tillmanns, als sie über ihre Betriebsnachfolge nachdachten. Ihr Edelstein: der Gärtnerhof Röllingsen am Rand der fruchtbaren Soester Börde in Westfalen. Ein Hof, wie man ihn sich in der biodynamischen Gärtnerei- und Landwirtschaft nur wünschen kann.

Rund 20 Mitarbeitende unter der Leitung der Familien Himstedt und Stickel arbeiten hier heute nach den Prinzipien von Demeter auf 20 Hektar Freilandfläche, davon sind allein fünf Hektar für den Gemüseanbau reserviert; unter dem Glashaus, zwei Thermohäusern und zwei Folientunneln wachsen auf 2.500 Quadratmetern 61 Arten Gemüse mit 236 Sorten. Seine Waren vertreibt der Hof per Direktlieferung an Bioläden, an einen Marktstand in Meschede und für über 700 Abokisten ins nördliche Sauerland.

Eine Besonderheit ist sicherlich, dass der Betrieb auf samenfeste Sorten setzt und dafür eng mit der Bingenheimer Saatgut AG kooperiert: Hauptsächlich geht es dabei um die Saatgutvermehrung, aber die Gärtnerei züchtet auch – was den Vorteil bietet, dass sie Rückmeldungen an den Kultursaat e. V. zu den angebauten Sorten geben kann und somit auch an der Sortenentwicklung beteiligt ist. Eine zweite Besonderheit: Mit dem Nachbarhof Eschenhof besteht eine enge Zusammenarbeit, insbesondere für die Viehhaltung, um einen geschlossenen Betriebskreislauf zu ermöglichen; man ist von Anbau bis Vermarktung eng verzahnt.

Ein gutes Miteinander auf dem Hof und um ihn herum, das stand für Tillmanns schon seit der Übernahme des Hofs von seinen Eltern 1992 im Mittelpunkt. „Uns war seitdem eine gute Sozialstruktur wichtig“, sagt der gelernte Gärtnermeister, der auch Ausbilder ist. ,,Wir haben immer gemeinsam gearbeitet, gelebt und Gemeinschaft kultiviert.“ Da war es nur folgerichtig, dass es nun auch ein pädagogisches Angebot für Kinder aus Kita, Vorschule und Schule gibt, bei dem die Kleinen in Arbeit und Leben auf dem Hof eintauchen können.

Nach vielen Generationen seiner Familie auf dem Hof stand Tillmanns nun vor der Frage, wie es mit dem Betrieb weitergehen sollte. Seine beiden Söhne hatten sich gegen die Übernahme des Hofs entschieden, weil sie andere Berufungen gefunden haben. „Wir haben unseren Kindern immer gesagt: Wir freuen uns, wenn ihr den Hof weiterführen wollt, aber nicht aus Tradition, sondern aus freiem Willen“, so Tillmanns.

Schon sein Vater hatte erste Versuche unternommen, um den Hof aus dem Familienbesitz herauszulösen – nun stand die Frage also erneut im Raum. „Mein Ziel war es, dass der Hof dauerhaft fortgeführt und nicht zerschlagen wird“, sagt Tillmanns. „Denn ich erlebe so viele Höfe, auf denen die Hofübergabe innerhalb der Familie schwierig ist. Es braucht neue Modelle, um Höfe in die Zukunft zu führen.“

Modelle wie das der BioHöfe Stiftung, in deren Hände Tillmanns und seine Frau, eine gelernte Sozialarbeiterin, den Hof nun gelegt haben – für die Stiftung ein Geschenk und eine Herausforderung zugleich, muss doch jetzt alles auf die neue Form „umgebaut“ werden. Beide werden auf dem Hof wohnen bleiben, Tillmanns will noch weiter unterstützen und sich in der landwirtschaftlichen Ausbildung engagieren. Aber die neue Generation hat bereits übernommen. Damit das Juwel auch in Zukunft glänzt.